„Ich bin ein MedTech-Guy“ – Drei Vor- und Nachteile von Selbstbildern von Führungskräften

Aviation-Geek? Stahl-Knochen? Car-Guy? – Das kann eine Falle sein.

Selbstbezeichnungen dieser Art symbolisieren bei Managern eine tiefe, auch emotionale Verbundenheit mit dem Thema.

Ein Beispiel aus der Praxis: unser Auftraggeber will wissen: Wofür steht der Kandidat? Er möchte einen ‚Maschinenbauer‘. Es offenbart aber auch ein Dilemma.

Einerseits wird erwartet, ein klares berufliches Profil zu haben – „Ich bin ein Techie“ oder „Ich bin Pharma-Experte“. Andererseits verschwimmen die Grenzen zwischen Industrien zusehends. Retail verschmilzt mit E-Commerce, Pharma mit Datenanalyse, die Automobilindustrie wird von Software dominiert. Wer sich zu stark auf ein enges Selbstbild festlegt, läuft Gefahr, völlig aus der Mode zu sein, wenn der Wind umschlägt.

Schauen Sie gerade mal auf die Automobilindustrie, was da gerade abgeht.

Ein klares, branchenspezifisches Profil war in der Vergangenheit klar im Vorteil. Es

1. schafft ein definiertes Profil Vertrauen. Stakeholder wissen, wofür eine Führungskraft steht, welche Expertise sie mitbringt. Diese Klarheit erleichtert Entscheidungen bei Einstellungen und Projektzuteilungen.

2. ermöglicht Spezialisierung Tiefe. Wer sich als Experte einer Branche versteht, entwickelt fundiertes Wissen über regulatorische Anforderungen, Marktdynamiken und etablierte Best Practices.

3. bietet ein festes Selbstbild Orientierung in Krisensituationen. Es fungiert als Kompass für Entscheidungen und verhindert, dass man sich in zu vielen Richtungen verzettelt.

Aber es gibt auch gravierende Nachteile.

1. Vermutet man bei einer einzigen Branchenfixierung eingeschränkte Problemlösungsfähigkeiten. Auto-Industrie ist Massenproduktion – wie schlägt sich zum Beispiel jemand in der Auftragsfertigung oder bei Kleinserien mit hoher Variabilität?

2. Es signalisiert ein monochromes Selbstbild mangelnde Anpassungsfähigkeit. In einer Zeit, in der Geschäftsmodelle sich fundamental wandeln, wirkt jemand, der sich ausschließlich über eine traditionelle Branchenzugehörigkeit definiert, nicht zukunftsfähig.

3.  Es schränkt es Karriereoptionen ein. Organisationen suchen heute nach Führungskräften, die Parallelen zwischen scheinbar unterschiedlichen Feldern erkennen – etwa zwischen Pharma-Zulassungsprozessen und Software-Qualitätssicherung.

Niemand kann seinen CV retrograd umschreiben. Allerdings gibt es erhebliche Flexibilitäten, wie man sich selbst definiert, welche Aspekte man betont, welche man als weniger relevant einschätzt. Wir können unser Selbstverständnis erweitern. Mal einen Side Step wagen. Die eigenen Kernkompetenzen kennen, sich aber als Brückenbauer zwischen Branchen und Disziplinen verstehen.

Für Arbeitgeber gilt: Wagen Sie ‚buntere‘ Kandidaten. Vertrauen Sie in die Übertragbarkeit von Kernfähigkeiten.

Wir haben schon die wildesten Kombinationen gesehen, die über Jahre erfolgreich waren. Sie auch?

Was sind Ihre/Eure Erfahrungen?

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Melanie Kleemann

Mit dreifacher internationaler Vorstandserfahrung, unter anderem für die IKEA Group, Vorwerk International und die Peek & Cloppenburg Gruppe, blickt Melanie Kleemann auf eine umfassende Karriere entlang der gesamten Value Chain zurück. Ihr Herzstück und ihre Leidenschaft lagen dabei seit jeher in den Bereichen kommerzielles Wachstum sowie (digitale) Transformation.

Ihre internationale Führungskompetenz wurde maßgeblich durch globale Rollen und mehrjährige Auslandsaufenthalte in Schweden und der Schweiz geprägt.

Melanie ist Partner bei TALENTspy und verantwortet die Bereiche Commercial Excellence, Consumer&Retail, Private Equity. Mit feinem Gespür für Markt-Dynamiken und exklusivem Zugang zu Spitzenkräften unterstützt sie Corporate-Entscheider, Private-Equity-Investoren, Gesellschafter und Aufsichtsräte dabei, kritische Schlüsselpositionen diskret, treffsicher und mit nachhaltigem Wertzuwachs zu besetzen.