Für viele Führungskräfte folgt auf eine Abberufung eine Schockwelle. Normalerweise wäre morgen um 8h Weekly. Doch ohne Sie. Die Nacht davor ist lang.
Die Angst, arbeitslos zu werden oder zu bleiben: da wir fast alle als Macher und Umsetzer geprägt worden sind, liegt der Gedanke nahe, möglichst viele potentielle Arbeitgeber und Vermittler sofort anzusprechen.
Nicht wenige Mails, die ich erhalte, sind mit Copy und Paste gemacht. Das ist ganz schlecht. Noch schlimmer: Mails, die von einem Automaten versendet wurden. Gruselig.
Was ich in realen Auswahlprozessen sehe: ob es klappt, entscheidet sich nicht im Anschreiben, sondern davor. Verarbeiten Sie erst mal, was gewesen ist. Wut, Vorwürfe, das Gefühl von erlittener Ungerechtigkeit, das muss erst sortiert werden.
Die Erzählung muss stehen bevor das erste Gespräch beginnt. Auftraggeber in einem Suchprozess sind nicht parteiisch. Sie wollen verstehen, was passiert ist und wer welchen Anteil hatte. Jeder weiß, dass es Konflikte im Arbeitsleben gibt. Wer den eigenen Anteil benennt und sagt, was er/sie daraus abgeleitet hat, gewinnt Vertrauen. Übertriebene Selbstkritik ist schlecht. Ganz schlecht ist: ‚Ich war okay die anderen waren nicht okay‘. Das sagt mein jüngster Sohn, wenn er aus der Schule mit einer blutigen Nase kommt. 🙂
Headhunter suchen Führungskräfte. Sie vermitteln keine Arbeitssuchenden. Der Konzern-Abteilungsleiter, der uns (PE/Transformation) anschreibt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Langatmige Anschreiben werden gar nicht erst gelesen. Was zählt, ist der Lebenslauf. Die meisten Firmen kennt man sowieso oder kann sich in Sekunden ein Bild machen. Formulieren sie sich nicht als Superman oder Superwoman. Vision, Strategie, Transformation, Operations und auch noch Entrepreneur: dieses Kompetenz-Feuerwerk überzeugt niemanden.
Fürsprecher sind meistens wirkungsvoller als Bewerbungen. Die wichtigsten Türen öffnen Menschen, die sie unter Druck erlebt haben. AR-Mitglieder, Beiräte, Berater. Ein offenes Gespräch mit dem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden ist mehr Wert als eine Bewerbung beim Headhunter und es klärt welche Referenz später wirklich kommt.
Noch etwas: Ein Lebenslauf ist kein Verhör. Eine Station von 4 Monaten muss niemand angeben. Lassen Sie es einfach weg. Sie erzeugt nur Rechtfertigungsdruck. Wir alle haben mal was versucht, was nicht geklappt hat.
Im Private Equity Umfeld ist ein Führungswechsel oft Teil des Investitionszyklus, kein Urteil über eine Person. Was der Markt wirklich kauft, sind zielgerichtete Kompetenzen die glaubwürdige Verknüpfung von Fähigkeiten. KI Einsatz, ein use case, den sie gestemmt haben, ist ein ganz klares Argument auf der Habenseite. Ebenso ein klares Profil statt Alleskönner-Allüren.
Gelassenheit statt Panik. Viel mehr im Leben, als wir glauben, ist Glück. Wir blenden es aus, wenn es gut läuft. Glück lässt sich nicht erzwingen. Nicht das Anschreiben öffnet die Tür, sondern ihre Geschichte und wer sie für sie erzählt.









