Wenn der CEO zum Alptraum wird. 4 Gründe für dramatische Fehlentscheidungen

Im November 2011 holte der Hedgefonds-Manager Bill Ackman Ron Johnson von Apple zu J.C. Penney. Johnson galt als Einzelhandels-Genie…

…das die Apple Stores zum Erfolg geführt hatte. Es war wieder dieses ‚Rockstar-CEO‘ – ‚der Mann kann über Wasser laufen‘ Problem.

Johnson erhielt 52,7 Millionen Dollar beim Eintritt und investierte selbst 50 Millionen in das Unternehmen.

Johnson feuerte umgehend zahlreiche bestehende Führungskräfte und holte seine Apple-Kollegen nach. Die Botschaft war klar: Das alte Team taugt nichts.

Sein größter Fehler: Johnson pendelte mit dem Firmenjet von Kalifornien nach Texas, statt am Hauptsitz in Plano zu wohnen. Die J.C. Penny-Mitarbeiter lasen daraus: Er ist zu gut für uns.

Als er gefragt wurde, ob er seine radikale Preisstrategie nicht erst testen wolle, antwortete Johnson: „Wir haben bei Apple nicht getestet.“

Das Problem: J.C. Penney-Kunden liebten Rabattcoupons und Schnäppchenjagd. Johnson schaffte beides ab und führte „faire Preise jeden Tag“ ein.

Die Kunden blieben weg. Johnson kommentierte, die Kunden müssten „erzogen“ werden. Er verglich die Coupons mit Drogen, von denen Kunden entwöhnt werden müssten.

📉 Das Ergebnis:
Im vierten Quartal 2012 brachen vergleichbare Umsätze um 32 Prozent ein – „das schlimmste Quartal in der Einzelhandelsgeschichte“. Nach nur 17 Monaten wurde Johnson gefeuert.
Die Aktie hatte über 50 Prozent verloren, der Umsatz war von 17,5 auf 13 Milliarden Dollar gefallen.

Bitter: Johnson hatte sein gesamtes Vermögen riskiert, seine Familie umgesiedelt und glaubte fest an seine Vision.

Die Kosten für „Executive Transition“ – also die Abfindungen für ihn und seine Apple-Kollegen – betrugen 170 Millionen Dollar. Tausende J.C. Penney-Mitarbeiter verloren ihre Jobs.

Der eigentliche Fehler im Prozess:

Das Board hatte sich von Johnsons Apple-Erfolg blenden lassen, ohne zu prüfen, ob seine Erfahrung zu J.C. Penney passte.
Kultureller Fit wurde ignoriert – man glaubte, ein Star-CEO könne jede Kultur transformieren.

Die systematischen Fehler hinter solchen Fehlbesetzungen:

Desperation Hiring
In 55 % der Searches wurde zu wenig Zeit eingeplant. Die Folge: oberflächliche Kandidatensuche und Interviews, die Risiken nicht aufdecken.

Fehlende Erfolgskriterien
Die fünf besten Prädiktoren für langfristigen Erfolg sind:
Selbstmotivation, Führungsfähigkeit, vergleichbare Performance, job-spezifisches Problemlösen und Anpassungsfähigkeit.

Der „Wir kennen jemanden“-Fehler (einer der schlimmsten Fehler nach meiner Erfahrung überhaupt, der selbst den intelligentesten Leuten unterläuft, mit denen ich zusammengearbeitet habe)

Ein Board-Mitglied favorisiert einen bekannten Namen.

Ein CEO oder Investor vertraut auf gemeinsame Vergangenheit statt auf Passung.


Haben Sie schon mal einen solchen Lapsus bei einer Besetzung erlebt?

Share the Post:
Nach oben scrollen