Ein Kandidat erzählt von folgendem Erlebnis:
Er (C-Level, sehr erfahren) und der Interviewer (CEO, ebenfalls sehr erfahren) sprechen in einem Jobinterview. Der CEO sagt (stets durchgetaktet, aber ohne Hintergedanken) zu Beginn: „Erzählen Sie mal etwas von sich selbst.“
Der Kandidat legt los. Er macht den Fehler, dass er bei Adam und Eva anfängt. Nach 50 Minuten ist er fertig – und beide merken erstaunt: Ups! Die Stunde ist fast um!
Später ruft der Interviewer seinen Headhunter an und sagt: „Guter Mann, der hat aber die ganze Zeit von sich geredet!“
Was lernen wir daraus?
„Erzählen Sie mal von sich!“ muss per se keine Fangfrage oder Falle sein. (Mir sind Fangfragen in Interviews von vorne herein sehr unsympathisch. Sie sagen mehr über den Fragenden aus als über den Kandidaten.)
Wenn die Frage kommt, greifen Sie maximal 2 Aspekte heraus, die Sie sehr geprägt haben oder summarisch beschreiben. Gerne ein Positives und ein Negatives. >> Über negative Erlebnisse zu sprechen, beweist Furchtlosigkeit und Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion.
Nutzen Sie die Frage ggf. geschickt mit folgender Aussage, die Sie am besten beschreibt: „Ich bin die Person, die der CEO anruft, wenn er Zahlen oder Aussagen misstraut.“
Oder: „Ich bin die Person, die die Teams in meinem Fachbereich rufen, wenn sie nicht mehr weiterkommen.“
Nutzen Sie dabei keine plakative Schablone, sondern wirklich das, was Sie am besten beschreibt. Fassen Sie sich kurz! Der Interviewer wird schon nachfragen, wenn er etwas genauer wissen will. Es muss nicht immer eine Stunde sein. Aber Struktur ist sehr, sehr wichtig.
Mein bestes Interview als Kandidat war mit dem CEO eines großen Technologie-Spezialisten (Mittelstand). Der CEO legte meinen CV mit handschriftlichen Anmerkungen vor sich hin. Das signalisierte Vorbereitung und Wertschätzung.
Er sagte: „Herr Seyfarth, wir machen es am besten so: Wir haben eine Stunde Zeit. Ich schlage vor, Sie erzählen eine halbe Stunde von sich, und dann sprechen wir eine halbe Stunde über die Aufgabe.“
Das war ein sehr gutes Entree. Es signalisierte Wertschätzung, einen klar umrissenen Rahmen und die Erwartungen an beide Gesprächspartner. Mir hat dieses Interview richtig Spaß gemacht. Ich habe am selben Tag abends ein Job-Angebot erhalten.
Was sind Ihre/Eure Erfahrungen mit offenen Fragen im Interview?