Der falsche CEO kostet Sie 12 Monate – und vielleicht das Unternehmen. Failing Up trifft auf kritische Unternehmensphase

Folgende Geschichte, die sich so zugetragen hat:

Eine mittelständische Firma hat Probleme. Der Investor weiß es besser und beschließt, über sein eigenes Netzwerk einen nicht unumstrittenen Rockstar-CEO anzuheuern. Dieser hat in Deutschlands Hochphase einen Konzern sehr erfolgreich geführt.

Kurz nach Amtsantritt merkt der neue CEO: das Unternehmen steht deutlich schlechter da als angenommen. Markt/Technologie/Kunde/Wettbewerb – überall krankt es.

Er macht das, was wir alle machen: er vertraut auf seine Instinkte. Er holt alte Kollegen herein. Er hackt auf Lean-Production- und Kosten-Themen herum. Er weiß viel über Massenherstellung, aber wenig über Auftragsfertigung.

Was er verkennt: die Prozesse funktionieren nicht. Er stößt extrem viel an, aber drückt auf Knöpfe ohne Funktion dahinter. Ein Jahr später geht die Firma in die Insolvenz.

‚Failing Up‘ ist ein Begriff aus der Organisationspsychologie. Er stellt das Phänomen dar, dass Kandidaten mit starken Netzwerken oder charismatischer Ausstrahlung oft trotz mangelnder Leistung geschützt oder weiterempfohlen werden.

Glauben Sie ja nicht, Personalberater sind immun gegen diesen Attributions-Fehler!

Was Konzern-Mitarbeitern oft unterstellt wird:

Fehlende Konsequenzen für Misserfolge. Fehler werden nicht systematisch dokumentiert oder sanktioniert. Stattdessen werden „Schwachleister“ in andere Abteilungen oder Positionen versetzt, wo ihre Inkompetenz weniger sichtbar ist.

Selbstdarstellung ohne wirklichen Value Added. Kandidaten, die ihre Misserfolge externen Umständen zuschreiben. Zitat: „Das Projekt scheiterte wegen der Umstände.“

Systemische Verzerrungen. Sichtbare Merkmale (z. B. Selbstbewusstsein, Extrovertiertheit) werden mit Kompetenz gleichgesetzt – selbst wenn die Leistung fehlt. Dies begünstigt Narzissten oder ’schwierige‘ Persönlichkeiten, die sich besonders gut verkaufen können.

Wie geht man damit um?

Ich halte nichts von generellem Misstrauen gegenüber ‚Konzernmitarbeitern‘. Ich habe beeindruckende Werdegänge im Private Equity und in KMUs gesehen, Kandidaten mit Konzern-Hintergrund.

Welche 3 Kriterien sind in kritischen Phasen nicht verhandelbar?

– Kontext-Fit und effektive Credentials vor formalem Track Record

– Nachweisbare Krisenerfahrung: Hat jemand in der Krise ‚Hands-on- Kompetenz‘? Kann er/sie das Geforderte auch selber machen?

– Referenzen aus Stressphasen, nicht aus Wachstumsjahren

Dazu braucht es eine messbare 100-Tage-Agenda in der Probezeit und dann auch ggf. den Mut, sich wieder zu trennen.

Würden Sie einem Ex-Konzern-CEO Ihr Restrukturierungsmandat anvertrauen – und warum?

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Melanie Kleemann

Mit dreifacher internationaler Vorstandserfahrung, unter anderem für die IKEA Group, Vorwerk International und die Peek & Cloppenburg Gruppe, blickt Melanie Kleemann auf eine umfassende Karriere entlang der gesamten Value Chain zurück. Ihr Herzstück und ihre Leidenschaft lagen dabei seit jeher in den Bereichen kommerzielles Wachstum sowie (digitale) Transformation.

Ihre internationale Führungskompetenz wurde maßgeblich durch globale Rollen und mehrjährige Auslandsaufenthalte in Schweden und der Schweiz geprägt.

Melanie ist Partner bei TALENTspy und verantwortet die Bereiche Commercial Excellence, Consumer&Retail, Private Equity. Mit feinem Gespür für Markt-Dynamiken und exklusivem Zugang zu Spitzenkräften unterstützt sie Corporate-Entscheider, Private-Equity-Investoren, Gesellschafter und Aufsichtsräte dabei, kritische Schlüsselpositionen diskret, treffsicher und mit nachhaltigem Wertzuwachs zu besetzen.