Vor einigen Jahren saß ich mit einem CEO zusammen, dessen Unternehmen mitten in einer harten Transformation steckte. Umsatz rückläufig, Kosten zu hoch, Führungsteam uneinig. Er sagte zu mir: „Wir brauchen jetzt einfach den richtigen CFO.“
Was er eigentlich meinte, war: Wir brauchen Stabilität. Klarheit. Vertrauen.
In solchen Momenten geht es nie nur um eine Besetzung. Es geht um Haltung. Ich habe in den letzten Jahrzehnten hunderte Prozesse begleitet, in guten Zeiten und in Restrukturierungen. Und ich habe gelernt: Der Executive-Search-Prozess ist ein Spiegel der Führungsreife eines Unternehmens.
Wenn Entscheidungen vertagt werden, wenn Mandate intern noch verhandelt werden, wenn Gesprächspartner unterschiedliche Geschichten erzählen, dann spürt das jeder starke Kandidat innerhalb von Minuten. Nicht bewusst analysiert, sondern intuitiv. Und er zieht seine Schlüsse.
Die besten Führungskräfte haben immer Optionen. Gerade in schwierigen Phasen wählen sie sehr genau, welchem Umfeld sie ihre Reputation und Energie anvertrauen. Sie prüfen nicht nur die Aufgabe. Sie prüfen das System dahinter.
Ich erinnere mich an einen Transformationsfall, in dem der Beirat und das Management vor Start der Suche zwei intensive Tage investierten, um Rolle, Erwartung und Entscheidungslogik messerscharf zu klären. Der Prozess danach war klar, respektvoll und verbindlich. Wir haben den Wunschkandidaten gewonnen. Nicht wegen des höchsten Pakets, sondern wegen der Klarheit im Auftreten.
Das ist für mich der Kern: Wenn es wirklich zählt, entscheidet nicht das Exposé. Entscheidend ist, ob dein Prozess Führung ausstrahlt.
Deshalb werden wir oft dann gerufen, wenn es nicht um Routine geht, sondern um Weichenstellungen. Wenn eine Besetzung Teil der Lösung sein muss, nicht nur eine Vakanz schließt.
Am Ende stelle ich Geschäftsführern in Transformation immer dieselbe Frage:
Würde eine starke Führungspersönlichkeit aus deinem Auswahlprozess mehr Vertrauen oder mehr Zweifel mitnehmen?