Wer sich erst dann um seine Marktpräsenz kümmert, wenn die aktuelle Rolle endet, hat bereits wertvolle Zeit verloren

Ich spreche täglich mit mindestens 3 Führungskräften und die meisten glauben, ihre Bewerbung beginnt, wenn sie sich bei einem Personalberater melden oder ein erstes Gespräch bekommen. Das ist meistens schon die zweite Halbzeit.

Unterschiedliche Untersuchungen schätzen, dass ein Großteil der wirklich interessanten Führungspositionen nie veröffentlicht wird. Aus über zwanzig Jahren eigener Erfahrung kann ich das bestätigen: Die spannendsten Mandate entstehen aus einem Geschäftsproblem, nicht aus einer fertigen Rollenbeschreibung. Es gibt am Anfang oft noch gar keine Stelle – nur eine Frage, die ein Investor oder ein Board lösen muss.

Was die wenigsten wissen: Lange bevor jemand offiziell im Rennen ist, holen seriöse Berater informell Auskünfte ein. Nicht bei den drei Referenzen, die der Kandidat selbst nennt. Sondern bei früheren Kollegen, bei Mitarbeitenden aus der zweiten Reihe, bei Weggefährten, die niemand vorbereitet hat. Diese Gespräche entscheiden oft mehr als das Gespräch mit uns selbst. Es geht dabei nicht darum, ob jemand sympathisch war. Es geht darum, wie jemand unter Druck geführt hat, wie er mit dem eigenen Team umgegangen ist, und ob die Erfolgsgeschichte im Lebenslauf standhält, wenn man Leute fragt, die sie tatsächlich miterlebt haben.

Das bedeutet: Ihre eigentliche Bewerbung läuft nicht erst, wenn Sie aktiv suchen. Sie läuft die ganze Zeit, über das, was frühere Kollegen erzählen, wenn Sie selbst nicht im Raum sind.

Der zweite Punkt, der mir oft fehlt: Die meisten melden sich bei uns, wenn sie etwas brauchen. Die, an die ich mich Jahre später noch erinnere, sind die, die sich vorher gemeldet haben, nicht um zu fragen, ob es eine Rolle gibt, sondern um eine ehrliche Einschätzung aus ihrem Markt zu teilen. Das dreht die Beziehung um.

Beides kostet Zeit, die man nicht erst investieren kann, wenn man sie braucht.

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