Wir führen viele Gespräche mit Führungskräften und Investoren: CFOs, CEOs, OPs Partner etc. Auf dem Papier sind die Lebensläufe beeindruckend – und oft sind es die Kandidaten auch. High Impact/Low Ego ist das Spielfeld, in dem wir unterwegs sind.
Im Gespräch zeigt sich jedoch oft, wer wirklich führen kann – und wer nur gut im Selbstmarketing ist.
Hier sind sieben Red Flags, die uns immer wieder begegnen:
> „Ich habe das Unternehmen umgedreht“
Wenn jemand nur von eigenen Erfolgen spricht – „Ich habe“, „Ich habe entschieden“, „Ich habe durchgesetzt“ – werden wir skeptisch.
Gute Führungskräfte sprechen über Teamerfolge. Ein gesundes Maß an Demut schadet nicht. Wer im Interview kein einziges Mal ein Team erwähnt, wird auch im Job keines aufbauen.
> Sie stellen keine Fragen zum Job
Der Investor interviewt einen CSO mit starkem Lebenslauf. Am Ende fragt er: „Haben Sie noch Fragen?“
Seine Antwort: „Nein, ich glaube, wir haben alles besprochen.“
45 Minuten lang hatten sie über seine Erfolge gesprochen. Aber keine einzige Frage zu Herausforderungen, Kultur, Team oder Strategie.
Das signalisiert: Er will den Job haben. Aber er will nicht verstehen, ob er der Richtige dafür ist.
> Vage Aussagen ohne Zahlen
„Ich habe den Umsatz signifikant gesteigert.“
Der Interviewer fragt nach: „Wie viel konkret?“
„Na ja, deutlich. Wir sind stark gewachsen.“
Wenn jemand keine konkreten Zahlen nennen kann – oder will – ist das ein Warnsignal.
Ein Beispiel: Eine ehemalige Top-Tier-Beraterin berichtete stolz über ihre Strategiearbeit für Südostasien bei einem Pharmakonzern. Der Investor fragte: „Was kam dabei heraus?“
Ihre Antwort: „Der CEO hat uns für das Konzept sehr gelobt.“
> Jeder frühere Arbeitgeber war „schwierig“
Wenn bei jedem früheren Arbeitgeber „die Kultur toxisch“, „der CEO inkompetent“ oder „die Strategie falsch“ war, ist das Muster meist klar. Das Problem hat zwei Seiten.
> Sie reden mehr, als Sie zuhören
Der Interviewer stellt eine Frage. Die Antwort dauert gefühlt ewig.
Gute Führungskräfte sind präzise. Sie beantworten die Frage und lassen Raum für Dialog.
Wer nicht aufhören kann zu reden, wird auch im Job nicht zuhören.
> Keine selbstkritische Aussage
Zitat: „Ehrlich gesagt lief bei uns wenig schief. Wir haben fast alles richtig gemacht.“
Das ist gefährlich. Niemand macht alles richtig. Wer keine Fehler zugeben kann, wird auch nicht aus ihnen lernen.
> Sie kennen Ihre Schwächen nicht
„Ich bin zu perfektionistisch“ oder „Ich arbeite zu viel“.
Das sind keine Schwächen. Das sind Stärken im Kostüm.
Echte Antworten klingen anders. Hierzu möchte ich in Kürze einen eigenen Beitrag schreiben, da ich die Frage nach Schwächen an sich nicht mag.
Aber: Selbstreflexion ist keine Schwäche. Sie ist Voraussetzung für Führung.
Diese Red Flags bedeuten nicht automatisch, dass jemand ein:e schlechte/r Kandidat:in ist. Aber sie sind Warnsignale.
Was mich interessieren würde:
Welche Red Flags sind Ihnen in Interviews aufgefallen?