Rohstoffpreise, China, Zölle, KI-Angst. ‚Die Firma befindet sich in einer Lähmung‘. Nein, externe Faktoren alleine sind es nicht

7 Faktoren für Lähmungserscheinungen

Der Investor sagt im Vorgespräch zu einer CEO-Suche: „Rohstoffpreise, China, Zölle, KI – das alleine erklärt die Lähmung nicht. Wir haben ein darüber hinausgehendes Problem.“

Folgende Faktoren für derartige Probleme werden in unseren Gesprächen immer wieder genannt:

👉 1. Politisierung des Managements

Auch KMUs sind nicht frei von Koalitionen und Kompromisslogiken statt klarer Entscheidungsmandate. Entscheidungen werden verzögert, weil unterschiedliche Interessen ausbalanciert werden müssen – fatal, wo Geschwindigkeit über Wettbewerbsvorteile entscheidet.

👉 2. Unternehmen als fragmentierte Systeme

Bereiche entwickeln eigene Zielsysteme: Finanzen, Vertrieb, Entwicklung, Produktion plus externe Stakeholder wie Investoren oder Gewerkschaften. Jede Einheit verfolgt eigene Erfolgslogiken. Das Ergebnis: Zielkonflikte statt Kooperation.

👉 3. Deutungskämpfe statt Problemlösung

In politisierten Organisationen entscheidet nicht die Analyse, sondern die Deutungshoheit: Wer das Problem definiert, bestimmt die Lösung. Unterschiedliche Narrative konkurrieren in Beiräten und Aufsichtsräten, während strategische Herausforderungen ungelöst bleiben.

👉 4. HR zwischen Anspruch und Realität

Viele Personalbereiche sehen sich als strategische Partner, arbeiten jedoch überwiegend administrativ. Ein großer Teil der Arbeitszeit entfällt auf Dokumentation und Routinen. Beim Fachkräftemangel fehlt die gestaltende Rolle für Talentgewinnung.

👉 5. Aufstieg der Generalisten

Der Weg ins Top-Management führt nicht immer über fachliche Exzellenz. Präsentationsfähigkeit, Netzwerke und Kapitalmarktkommunikation gewinnen an Bedeutung. Personen treffen strategische Entscheidungen ohne tiefe Produkt- oder Marktkenntnisse.

👉 6. Entfesselte Zahlen-Logik vs. Kundeninteresse

Kurzfristige Kennzahlen dominieren Entscheidungen. Kostensenkungen verbessern Margen, schwächen aber langfristig Servicequalität und Wettbewerbsfähigkeit. Wenn die Leute an der Kundenfront fluchen, ohne dass es die Chefs mitbekommen, stimmt etwas nicht.

👉 7. Führungsvakuum an der Spitze

Wenn Geschäftsführer keine klaren Entscheidungen treffen, füllen andere das Vakuum – Investoren, Aufsichtsräte oder Arbeitnehmervertreter. Einfluss ohne operative Verantwortung schwächt die Entscheidungsfähigkeit weiter.

Für uns ist es wichtig, herauszufinden, in welchem Zustand sich die Organisation befindet. Ja, Sie lesen richtig: Manchmal ist ein Führungskräftewechsel nicht die Lösung des Problems.

Hat man sich dazu entschlossen, ist es bei Interviews wichtig herauszufinden, wie Kandidaten in Bezug auf diese Problemstellungen agieren. Die entscheidende Frage: Wie schafft ein/e potenzielle/r Geschäftsführer:in es, Entscheidungsfähigkeit, Verantwortung und klare Führung durchzusetzen?

Und: Erlauben es die Rahmenbedingungen überhaupt?

Was sind Ihre Erfahrungen mit den beschriebenen 7 „Killern“?

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