Unangenehm dieser Gedanke, finden Sie nicht?
Da regt sich sofortiger Widerstand.
Was stimmt:
BWL verliert an Wert in klassischen Funktionen: Controlling, Reporting, Standardanalysen, Marktforschung, Finanzmodellierung. Ein Controller, ein Logistiker, der Daten in Excel oder SAP verarbeitet? Existiert in fünf Jahren nicht mehr. Drei?
Aber hier endet die simple Erzählung.
Was NICHT verschwindet:
Kein Vorstand unterschreibt M&A-Entscheidungen, weil die KI es empfohlen hat.
Kein CEO haftet im Aufsichtsrat für etwas, das ein Algorithmus vorschlägt.
Keine Bank vergibt einen 50-Mio.-Kredit auf die Analyse einer Maschine.
Das, was nicht automatisierbar ist – politisches Kapital, Stakeholder-Management, Haftungsübernahme, Vertrauen – wird wertvoller.
‚Ups, das ging schief. Wir haben 10 Mio. Euro in den Sand gesetzt. – Fragen Sie mal Monsieur Claude!‘
Ein allgemeiner BWL-Abschluss ist kein reines Kompetenz-Zertifikat mehr, war zu meiner Zeit Türöffner zu Netzwerk, sozialem Status und Karriere.
Was derzeit strukturell passiert:
Das mittlere Management fällt weg.
Das war (ich gehörte auch mal dazu) nie eine echte Führungsschicht, sondern reine Informationsvermittlung. Daten nach oben leiten, Anweisungen nach unten übersetzen. Ein Algorithmus macht das heute schneller. Hierarchien werden flacher, weil die Begründung für Zwischenschichten fehlt.
Verantwortlichkeit wird zum Problem.
Wer haftet für KI-Entscheidungen? Der CEO? Der Programmierer? Der Eigentümer des Modells? Legal und Compliance werden deshalb nicht kleiner – sie werden größer, weil Haftungsfragen ungeklärt sind.
Machtkonzentration an der Spitze.
Strategische Entscheidungen laufen auf weniger Menschen zu. Flache Hierarchie sieht nach Demokratisierung aus, bewirkt aber das Gegenteil. Am Ende zählt: Wer kontrolliert den Algorithmus?
Hiring kollabiert in der Breite, explodiert in der Spitze.
Wir als Executive-Personalberater sehen diesen Trend deutlich. Ein Unternehmen mit 500 BWLern schrumpft auf 50 – aber nicht auf 0. Weil Verhandlungen und Repräsentation Menschen brauchen. Gefragt sind jetzt IT-Architekten und Data Scientists, die die Maschine bauen.
Die unbequeme Wahrheit:
Wenn Organisationswissen in einer Maschine sitzt, verschiebt sich die Macht radikal zu denen, die sie kontrollieren: Eigentümer, IT-Architekten und die wenigen verbliebenen Manager mit dem Monopol auf Interpretation.
KI konzentriert Wissen in einer Blackbox und verlagert die Macht dorthin.
Für BWL-Absolventen: Der 08/15-Abschluss wird für Standard-Aufgaben wertlos. Für echte Führungspositionen mit Verantwortung wird ein spezialisierter Abschluss wertvoller.
Für Unternehmen: Die Illusion flacher Hierarchien sieht künftig so aus:
Es entsteht eine Spitze, die kontrolliert, und eine Basis, die ausführt.
Für die Gesellschaft: Ein neues Konzentrationsproblem von Organisationswissen. Das ist die Zukunft der Kontrolle.
Was raten Sie ihrem Sohn/Ihrer Tochter im BWL-Studium?